Konkurrenz, Negativ-SEO und falsche Freundlichkeit

Ein Thema, welches schon seit mehreren Wochen durch die SEO-Szene fliegt, ist das Negativ-SEO, also der gezielte Versuch die Konkurrenz mit schlechten Links oder anderen fiesen Tricks abzuschießen und sich so selber einen Vorteil in den SERPs zu verschaffen. Zuletzt war das Negativ-SEO größer geworden durch die Attacke auf den Zigarren-Online Shop Noblego, welcher die fiese Attacke auch im hauseigenen Blog öffentlich machte. In der Online-Marketing Branche geht es eben um Geld, wo auch schnell die Freundschaften aufhören…

Die Freundschaften zwischen Onliner

Als Onliner ist man gerne auf Konferenzen wie der SEO-Campixx, dem SEODay oder einer anderen Veranstaltung. Man kennt sich untereinander und schon längst haben sich richtige Freundschaften zwischen vielen SEOs und Online-Marketern gebildet, auch wenn man im Geschäft vielleicht Kunden betreut, die sich gegenseitig als Mitbewerber sehen.

Es gibt auch viele Onliner, die sich öfters mal privat treffen, auf ein Bier oder ähnliches. Wieso denn auch nicht? Wenn man sich gut versteht, kann das auch alles zur Tagesordnung gehören. Ich selber bin auch gut vernetzt und pflege gute Kontakte in verschiedene Richtungen. Mit dem ein oder anderen SEO bzw. Online-Marketer bin ich auch enger im Kontakt. Ist ja auch alles kein Problem.

Vor dem Mitbewerber ranken wollen

Dass man auf Konferenzen angesprochen wird und sich unterhält, ist keine Seltenheit. Gerade bekanntere SEOs, die Vorträge halten, werden häufig angesprochen und nach Rat und Tipps gefragt. Das man da freundlich ist, sollte selbstverständlich sein. Nicht selten spricht man auch über das Geschäft – natürlich ohne Kunden zu verraten. Einige Kunden sind aber bekannt und so kann man auch schnell sehen, welcher SEO oder welche Agentur für welchen Kunden tätig ist. Schon beginnt der „Konkurrenzkampf“, welcher aber eigentlich keiner sein sollte.

Dominik Wojcik hatte es schon vor einiger Zeit passend auf Facebook geschrieben:

Es kotzt mich an, dass einige rumheulen das es keine Likes und Links mehr für guten Content gibt, dann aber selbst so gut wie nie liken bzw. verlinken. Warum erwartet man etwas von anderen, wenn man selbst nicht bereit ist es zu leisten? Eigentlich müsste es doch scheissegal sein, ob man die Person mag oder nicht, oder man Wettbewerber ist oder nicht? Wer gute Arbeit leistet, sollte auch den Respekt dafür bekommen! Aber leider ist die Online Marketing Branche kein Ponyhof mehr und wenn es um Geld geht werden halt öfter mal die Ellbogen rausgeholt. Traurig Traurig…

Der Part, in dem Dominik von mögen einer Person oder dem Mitbewerber spricht, finde ist sehr gut. Warum? Ganz einfach: Ich selber bin als Affiliate in einigen Bereichen tätig, in dem sich auch andere SEOs tummeln und man um die Rankings kämpft. Dass ich vor meiner Konkurrenz stehen möchte, ist klar, ansonsten würde ich mir die Arbeit nicht machen, meine Projekte zu optimieren.

Dominik Wojcik über Ellenbogen in der SEO-Szene

Aber: Viele der Mitbewerber in meinem Segment kenne ich persönlich, andere nicht. Wenn man seine Arbeit gut macht und vor den anderen positioniert ist, ist alle sim grünen Bereich. Trotzdem bin ich aber so fair und gebe gerne einen Like oder einen +1, wenn guter Content erstellt worden ist. Wieso denn auch nicht? Wer gut arbeitet, hat sich seine Lorbeeren verdient. Auch wenn es ein Mitbewerber aus meiner Branche ist.

Linktausch mit Mitbewerbern

Ich hatte auch schon mehrmals das Glück, mit meinen Mitbewerbern Links tauschen zu können. Auch wenn ich Links an meine Mitbewerber abgegeben habe, profitiere ich ja selber davon, alleine aus dem Grund, dass die Projekte wirklich gepflegt werden, themenrelevant sind und auch schon Jahrelang bestehen. Bessere Links findet man nur noch selten.

Besonders als Affiliate hat man es oft schwer, themenrelevante und starke Links zu erhalten, die das eigene Projekt anschieben. Und wieso sollte man sich nicht mit den anderen Mitbewerbern vernetzen, Links tauschen und sich so gegenseitig helfen? Ich finde, dass da gar nichts verwerfliches dran ist. Ein Link stärkt zwar meine Mitbewerber, schwächt mein Projekt aber nicht – zumindest dann nicht, wenn man auf ein ordentliches Projekt verlinkt. Das gleiche lässt sich aber nicht nur als Affiliate anwenden, sondern auch als SEO, wobei es für Kunden etwas schwerer werden kann – diese möchten nämlich häufig einen Bericht haben, was getan wurde. Solange die Kundenseite aber auch von etwas profitiert, sollte alles kein Problem sein.

Negativ-SEO unter Kollegen und das liebe Geld

Wir alles sind doch im Endeffekt Kollegen, die gut miteinander vernetzt sind und sich verstehen sollten. Auf den Konferenzen wird oft mal ein Bier getrunken, sich oft unterhalten, gemeinsam Spaß gehabt und so weiter. Dass man danach wieder an die Arbeit muss, ist klar. Aber sollte man den Personen schaden, mit denen man vielleicht am Wochenende noch ein Bier getrunken und gemeinsam gelacht hat? Sollte man die Seite eines Bekannten abschießen, mit dem man sich gut verstanden hat?

Warum das ganze? Wegen dem Geld. Bei Geld hört nunmal die Freundschaft auf und in der heutigen Zeit muss jeder selber sehen, wo er bleibt. Aber wer könnte von euch noch ruhig schlafen, wenn er auf der Campixx sich nett unterhält, ein paar Bierchen trinkt, Spaß hat und dann einige Wochen später mit einer Attacke auf den ein oder anderen SEO einprügelt?

Ich will gar nicht wissen, welcher SEO hier schon auf andere SEOs mit Attacken eingeprügelt hat, wer noch solche Attacken plant oder ähnliches. Ich möchte eigentlich nur darauf aufmerksam machen, dass wir alles Kollegen sind und sich so ein verhalten nicht gehört. Es gibt bestimmt einige Leute, die auf einer Konferenz oder Messe schon auf einen Mitbewerber gestoßen sind und sich gedacht haben „Arschloch“. Klar, die Unternehmen versuchen sich beide am Markt einen Namen zu machen und Geld zu verdienen. Aber muss man sich deswegen anschweigen? Muss man deswegen den anderen SEO ignorieren?

Wie geht ihr damit um?

Ich würde gerne von euch wissen, wie ihr mit der ganzen Thematik umgeht? Habt ihr vielleicht auch schonmal Links mit Mitbewerbern getauscht? Kennt ihr SEOs, die schonmal eine Negativ-SEO Attacke auf einen anderen Negativ-SEO durchgeführt haben? Wie geht ihr mit den SEOs oder Agenturen um, die ihr persönlich kennt und wisst, dass dort Kunden aus der gleichen Branche betreut werden?

9 Kommentare

  1. Ich investiere die Zeit die ich habe, ist eh schon alles knapp genug, lieber in den eigenen Aufbau der Projekte. Die kostbare Zeit darin investieren jemand anderem zu schaden, nein danke! Ich tausche mit jedem, auch mitbewerbern, hauptsache die Links sind relevant. Wenn beide von profitieren können, wieso denn nicht. Schöner Beitrag, Danke.

  2. Bin bis jetzt noch nie Ziel einer solchen Attacke geworden und sehe auch keinen Sinn darin, andere anzugreifen. Da kann man wie Edelnerd bereits sagt seine Zeit viel sinnvoller nutzen.

  3. Hi Christian,

    schönes Thema. Ich möchte kurz was loswerden, was vermutlich keine Sau interessieren wird. Campixx hin oder her, in Wahrheit sieht es ganz ganz anders aus. Auch Leute wie ich, die nicht auf Konferenzen sind, werdn mit attacken zugemüllt. Dabe geht es nicht um irgendwelche DDos attacks, sondern um massenhaft Links von Ru, Vietnam, etc. Links…..Und das wohl mit Erfolg. Ein Glück gibt es Disavow, womit der Schaden wenigstens etwas minimiert werden kann.

    „Wir alles sind doch im Endeffekt Kollegen, die gut miteinander vernetzt sind und sich verstehen sollten“

    Korrekt, aber sobald es um viel Geld geht, hört die Freundschaft unter „SEOs“ wohl auf ;) Und genau das ist der Punkt, was auf der Campixx mal erwähnt werden sollte…..Keiner spricht davon, aber auf Konferenzen sind sie alle die Netten SEOs von nebenan. Bullshit……Seonaut, wenn du das liest. Such lieber jemand der genau sowas auf der Campixx vorträgt. *Großer Tipp*

    Ich kann nur jedem raten der „neu“ dabei ist, bleibt undercover…..Dann erspart ihr euch den ganzen Scheiß der da momentan abgeht.

    Christian, weiter so@Beitrag. ;)
    Mr.X

  4. Wer die Black-Hat Sessions auf verschiedenen Veranstaltungen besucht hat, der weiß welches „Negative“-Potential in der Online Marketing Welt schlummert – und im Grunde, war es schon immer so, bei Geld hört die Freundschaft auf.

  5. Das kommt aber immer drauf an, es gibt auch viele andere Beispiele die denke ich überwiegen, ich habe bislang eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht mit den ganze Leuten, kommt denke ich mal auch auf die Branche an. Wenn man Seiten mehr oder weniger als Hobby betreibt ist es auch ein anderes Umfeld als das Umfeld der ganz großen Firmen, da weht dann bestimmt ein anderer Wind. Vielleicht stehen die Seos die für soche Firmen arbeiten auch mehr unter Druck als Hobby Optimierer.

  6. Negativmaßnahmen sind definitiv unethisch und unsportlich, allerdings gehe ich davon aus, dass Google offene Augen und Ohren hat und die Möglichkeit zur Durchführung solcher Maßnahmen genauso untersucht, wie sie es geschaftt haben, die Zusammenstellung des Rankings in den letzten Jahren zu verbessern.

  7. Schöner Artikel, erinnert mich an ähnliche Artikel aus früheren Tagen. Leider wird man die bösen Jungs damit nicht beeindrucken können. Leider, weil gerade beim SEO sitzen wir alle im selben Boot. Und damit auch zur Frage: Links mit Mitbewerber getauscht? Na klar! Es profitieren doch beide Seiten davon.

    Ich finde, es wird den Negative SEOs zu einfach gemacht. Alleine wie einfach es ist, einen Amazonpartner aus dem Partnerprogramm entfernt zu bekommen (Siehe Artikel http://www.musclecat.com/582/amazon-partnernet-affili-partner-sind-auch-nur-leiharbeiter/).

    Über die Jahre habe ich überwiegend positive Erfahrungen im Untereinander gemacht, eine Hand wäscht die andere. Schwarze Schafe gibt es leider immer wieder :)

    @ Bernhard und René
    Ob Google das schafft, ich sag mal vielleicht, aber ich bin immerwieder aufs neuste fasziniert, wenn z.B. Fabian Rossbacher einen Vortrag hält, wie gut gewisse Techniken doch funktionieren.

  8. Ich bin sowieso der Meinung da wo es Geld gibt, ist auch die Konkurrenz gros und da wo es Konkurrenz gibt gehen mache auch über Leichen um an ihren Ziel zu kommen, so traurig es auch klingt aber es ist wahr.
    Ich bin daher der Meinung; sein Schutz aufbauen und das Beste draus machen
    Nach Moto der klügere gibt nach weil wenn jeder sich da irgendwie anfängt sich zu bekriegen dann bricht das Karos erst richtig aus und das ist auch nicht Sinn der Sache.

  9. Ein guter Beitrag.

    Links getauscht mit Kollegen – ja auf jeden fall. Aber Negativ SEO zu betreiben um andere abzuschiessen, da schliesse ich mich meinen Vorrednern an. Die Zeit als auch der Kostenaufwand ist zu groß, man hat schon genug mit seinen eigenen Projekten zu tun.

    Aber es fällt auf dass in verschiedenen Foren immer mehr scheinheilge Angebote auftauchen, die speziell sowas anbieten. Ganz nach dem Motto: Wenn dir dein eigenes SEO zu teuer ist, dann nimm die preiswertere Alternative und schiesse Deine Konkurrenz ab.

    Gerade die Jungs aus dem asiatischem Raum arbeiten gerne mit solchen Scripten, welche ein Bombadement an unseriösen Backlinkquellen dann abfeuern. Meistens wird in dem „komplettangebot“ dann noch Malware mit angeboten, denn eine Webseite die auf einen schlag schlechte Backlinks bekommt und möglicherweise noch mit Malware infiziert ist, mag google ja gar nicht gerne.

    Ich kann nur hoffen, dass dies keine Zukunft hat. Es wäre schlimm wenn sich „Anti SEO“ durchsetzen würde. Versucht das mal nem Kunden zu erklären, der von SEO generell keine Ahnung hat. Das Vertrauen sinkt gen Keller….

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