Onlinemarketing-Experte Karl Kratz im Interview

Nach etwas längerer Pause habe ich mich mal wieder für ein Interview bemüht und durfte den Onlinemarketing-Experten Karl Kratz ausfragen. Karl Kratz sollte für viele ein Begriff sein, denn er ist der Autor des eBooks Landingpage SEO und und konnte damit hoffentlich vielen Lesern den Einstieg in die Thematik erleichtern. Wer also interessiert daran ist seine Landingpage in Google weit nach vorne zu bringen, sollte sich das eBook durchlesen und sich die Tipps zu Herzen nehmen. Karl Kratz hat aber nicht nur ein eBook geschrieben, er schreibt auch auf seinen eigenen Blog über Onlinemarketing und dessen Teildisziplinen wie Affiliate Marketing und Suchmaschinenoptimierung. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Hallo Karl, vielen Dank das Du Dir die Zeit nimmst, meinen Lesern ein paar Informationen über Dich zu geben. Stell Dich doch bitte erst mal meinen Lesern vor.

Hallo Christian, vielen Dank für die Einladung zum Interview. Zur Vorstellung: Ich bin nur ein weiterer Onlinemarketing-Verrückter. Anfang 1996 habe ich mit der Erstellung von Websites den  Einstieg in die große, weite Online-Welt gemacht. In diesen 14 Jahren gründete ich ein paar IT- bzw. technologielastige Unternehmen, verweilte einige Zeit bei Hewlett Packard, doch mein Herz schlug immer „Online“. Mitte 2009 brachte ich das Buch „Haifischbecken Internet Marketing“ heraus und kümmere mich seitdem für meine Leser um das Thema „Onlinemarketing“.

Dein Buch „Landingpage SEO“ erreichte schon im ersten Monat Rekordzahlen. Wie fühlt es sich an, wenn das eigene eBook mehr als 10.000 mal im ersten Monat heruntergeladen wurde?

Ganz nüchtern betrachtet: Vor jedem erfolgreichen Ebook kommt oft ein halbes Dutzend an „nicht ganz so erfolgreichen“ Ebooks. Zum Beispiel dauerte es fast 12 Monate, bis das Ebook „Landingpage Essentials“ (http://www.landingpage-ebook.com) insgesamt so oft heruntergeladen wurde. Unterm Strich ist eine große Verbreitung immer das Resultat aufwendiger Vorarbeit: Der Aufbau einer großen Mailing-Liste mit interessierten Lesern, eine große XING-Gruppe, ein paar hundert treue (und vor allem tolerante) Follower auf twitter …

Das Thema Deines eBooks ist klar auf die Suchmaschinenoptimierung von Landingpages ausgelegt. Wieso hast du Dir gerade diese Nische ausgesucht?

Ja – seltsam! Das ist ein Nischenthema. Das dürfte eigentlich nicht sein, oder?

Erst einmal zum Bereich „(Single) Landing Pages“: Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Investitionen in kommerzielle Websites einem definierten Konversionsziel folgen. Im echten Leben sieht es allerdings anders aus: Ein sehr großer Teil der Menschen will einfach eine Website! Und Mensch denkt auch nicht im entferntesten an Konversionen. Website-Testing ist mühsam, konzeptionelles Arbeiten eher langweilig angesichts der Verlockung schneller und imposanter Photoshop Designs. Das merkt man schon bei einem Blick auf die Literaturlandschaft: Wie viele Bücher gibt es zum Thema „Konzeption, Planung, Erstellung und Optimierung von Landing Pages“? Und wie viele zum Thema „Design“? Fazit: Wir brauchen mehr Lesefutter zum Thema „Landingpages“.

Jetzt der Bereich „Suchmaschinenoptimierung für Single Landing Pages“: Bei einer Suchmaschinenoptimierung für eine konventionelle Website kann man bereits im Onpage-Bereich alle Register ziehen. Die Ausrichtung der Informationsarchitektur, üppige Mengen an textuellen und grafischen Inhalten und die Möglichkeit zur Einbettung von Social Media Technologien vereinfachen die Onpage-Optimierung enorm. Für eine „dedizierte-Landingpage-mit-nur-einer-Seite-ohne-Navigation-dafür-mit-extrem-wenig-Text“ hingegen ist eine Onpage-Optimierung extrem aufwendig. Jeder einzelne Onpage-Faktor muss feinfühlig bewertet und angepasst werden.

Im Bereich der Offpage-Optimierung geht die Misere dann gerade so weiter: Während treue Social-Mitstreiter und Leser liebend gerne auf lesenswerte, coole und außergewöhnliche Inhalte verlinken, sieht es mit kommerziell getriebenen Single Landing Pages dann doch etwas gehemmter aus. Das bedeutet dann so viel wie: „Sorge für ein überragendes Angebot oder kümmer Dich selbst um Deinen Backlink-Aufbau!“

Zusammengefasst: Die Komplexität der Suchmaschinenoptimierung steigt mit der Vereinfachung, Reduktion und Verschlankung von Single Landing Pages – und dafür gibt es jetzt ein E-Book :-)

Durch Deine Arbeit bist Du heute kein Unbekannter im Onlinemarketing. Wie war das denn als Du das erste Mal mit dem Thema in Berührung kamst? Hattest Du klare Ziele und vielleicht auch Vorbilder?

Das erste Mal kam ich 1996 aus einem ganz einfachen Grund mit dem Thema in Berührung: Mit der ersten Unternehmensgründung musste auch eine Website her. Meine „Vorbilder“ kamen in erster Linie aus der Offline-Welt: Marketing-Größen wie Peter Fisk oder Philip Kotler. Und wer kannte damals nicht Stefan Münz mit dem legendären SELFHTML? Meine erste Website war demzufolge eine einfache, schlanke Seite mit dem Ziel, neue Kunden zu gewinnen. Hat übrigens wunderbar funktioniert …

Onlinemarketing ist nichts, was man einfach so erlernt und perfektioniert. Gab es spezielle Fehler die du gemacht hast, aus denen du am meisten gelernt hast?

Spezielle Fehler? Tausende. Ich erspare den Lesern die Fehler und beschränke mich auf interessante Lerneffekte:

Onlinemarketing funktioniert dann, wenn Marketing im Unternehmen bereits gelebt wird. Ansonsten: Zuerst die Hausaufgaben machen.

Webspam verbrennt Domains. Man braucht Monate, um die Fehler eines einzigen Tages auszubügeln. Nachhaltig geht anders. Also: Bleiben lassen ;-)

Traffic? Sagt überhaupt nichts aus. Manchmal genügen für eine Internetmarketing-Kampagne drei Besucher im Monat. Es müssen nur die richtigen sein.

Ohne Zieldefinition und Suchbegriffanalyse verbrennt man bestenfalls Geld.

Wichtig ist: Schnell und günstig scheitern, wieder aufrappeln, lernen, besser machen.

Hast du vielleicht auch Tipps für Blogger, wie man die eigenen Artikel am besten im Internet vermarkten soll?

Wenn Du mit „vermarkten“ „verbreiten“ meinst, dann ist es relativ einfach: Sobald ein eigener Artikel fertig ist, müssen die PS auch auf die Internet-Autobahn. Das gelingt gut mit einer interessierten Stamm-Leserschaft, sei es in twitter, Facebook, XING oder innerhalb einer eigenen E-Mail Liste.

Aber der Reihe nach:

Leser lesen nicht. Aber: Leser sind nur solange ungeduldig, bis wir eine vorhandene Emotion berühren. Bis dahin sollte ein Artikel auf den ersten Blick leicht konsumierbar aussehen: Scanbar, leicht lesbar, verständliche grafische Elemente. Dazu gehören eine ordentliche Formatierung, Aufzählungen, attraktive Überschriften und sexy Anrisstexte. Der inhaltlich beste Artikel kann nicht gut verbreitet werden, wenn er optisch nicht gut aufbereitet ist.

Wenn man einen guten Artikel erstellt, ist es aus meiner Sicht durchaus legitim, diesen kurzerhand auch in guten Social-Bookmarking Diensten, Webnews, Stumbles etc. zu promoten. Dabei geht es weniger um qualitativ hochwertiges Linkbuilding. Es sorgt erst einmal für ein Besucher-Grundrauschen.

Im Laufe der Zeit sollte man sich einige „starke Verbündete“ aufbauen (auf der Basis von Sympathie ist das immer noch die nachhaltigste Methode). Wenn man einen ordentlichen Artikel erstellt hat, sind es oft genau diese Verbündeten, die bei der Verbreitung und Verlinkung kontinuierlich mithelfen.

Wie schätzt Du die heutige Situation von Landingpages ein? Sind sie mehr als nur eine Seite für Affiliates um Geld zu verdienen? Oder findest du es auch wichtig das Firmen Landingpages anlegen?

Ernüchternd: Selbst Single Landing Pages erfordern eine angemessene Konzeption, sind unter Umständen teuer in der Erstellung, aufwendig im Testing und zwingen die Auftraggeber zu realen Commitments, z.B. bei der Zieldefinition. Das macht eine Landing Page erst einmal recht unpopulär, wenn man es richtig machen möchte. Zumal man für die Investition in eine einzige Single Landing Page „doch vom Webdesigner um die Ecke eine ganze Website mit Produkten, der Unternehmensphilosophie und den Öffnungszeiten erhält“! Darüber hinaus kommt noch dazu, dass genau solche Unternehmen dem zwanghaften Willen unterliegen, Website-Besuchern ein „möglichst breit gefächertes Sortiment zeigen zu wollen“. Soweit zur vorherrschenden Situation im normalen Alltag.

Die im Internet wirklich erfolgreichen Unternehmen segmentieren die Bedürfnisse Ihrer (potentiellen) Kunden, bauen ihr Portfolio darauf auf und leiten die Interessenten hoch fokussiert auf genau die Produkte, die zu den Bedürfnissen Ihrer Kunden passen. Das ist alles. Und das ist schwierig. Geeignete Werkzeuge dafür sind (Single) Landing Pages. Bei erklärungsintensiveren Internet-Angeboten werden eher entsprechend aufgebaute Microsites eingesetzt. Aus meiner Sicht ist es höchste Eisenbahn, dass in Unternehmen ein Umdenken stattfindet: Weg vom dicken Bauchladen, hin zu präzisen und konversionsstarken Landing Pages.

Ab und zu sehe ich, wie du Artikel von mir Retweetest, was bedeutet das Du, wenn auch nur selten, meinen Blog liest. Wie denkst du wird die Zukunft von zweidoteins aussehen?

Spannende Frage: A) Ich weiss es nicht. B) So aktiv, wie ich Dich erlebe, kann ich mir gut vorstellen, dass Du mit zweidoteins im Laufe der Zeit eine sehr erfolgreiche Informationsplattform aufziehen wirst. Auf jeden Fall drücke ich Dir für B) fest die Daumen :-)

Zuletzt möchte ich von Dir noch gerne fünf Blogs genannt bekommen, die du gerne liest und gerne empfiehlst.

Na denn, hier kommt fünfmal das Prädikat „lesenswert“:

http://www.konversionskraft.de/

http://www.tagseoblog.de/

http://www.eisy.eu

http://s1-suchmaschinenoptimierung.de/

http://www.seo-trainee.de

Vielen Dank Karl für das interessante und aufschlussreiche Interview.

4 Kommentare

  1. Ganz schön langes Interview, aber ein paar echt interessante Ansichten. Am besten fand ich den Abschnitt um das eigene Blog voranzubringen. Da habe ich noch nicht so herum drüber nachgedacht :-).

    Weiter so und gruß vom André

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