Vom Blogger zum Kleinunternehmer – Ein muss?

In der letzten Woche erreichte mich per Mail eine Frage, die mir selber vor einigen Monaten noch selber Kopfschmerzen bereitete. Alexander von Netz-Universum-Blog fragte mich, ob er für seine Webseite bzw. Blog ein Gewerbe anmelden muss, da er gerne Werbeflächen vermieten und Affiliate-Links einbinden würde. Es gibt zwar viele Informationsquellen im Internet, doch so wirklich soll ihm keine davon richtig geholfen haben. Und ihm zu sagen das er doch bitte mit solchen Fragen seinen Steuerberater aufsuchen möchte, wäre auch irgendwo unhöflich. Außerdem ist das doch ein schönes Thema für meinen Blog.

Gewerbe als Blogger anmelden?

Es ist in Deutschland tatsächlich so, das man seine Einnahmen versteuern muss. Dabei ist es egal, woher und wie man diese bezieht. Möchte man nun also mit seinem Blog ein wenig Geld verdienen, muss ein Gewerbeschein her. Ist dieser nicht vorhanden, kann man unter Umständen wegen Steuerhinterziehung belangt werden.

Meinen Informationen nach zufolge, benötigt man keinen Gewerbeschein, solange keine Gewinnabsicht entsteht. Das heißt, das ihr die kosten für euren Blog (Hosting) einnehmen dürft. Das ganze wird dann als Liebhaberei (Hobby) angesehen.

Trotzdem möchte man sich das Geld, welches man mit dem eigenen Blog verdienen kann, auch nicht durch die Finger gehen lassen. Geld ist schließlich Geld. Sobald man mehr als nur die Hostingkosten einnehmen will, liegt eine Gewinnabsicht vor. Ab diesem Punkt ist man Steuerpflichtig und ein Gewerbe muss angemeldet werden.

Darf ich Rechnungen ausstellen?

Sobald man den Gewerbeschein hat, dürfen Rechnungen ausgestellt werden. Man kann also beginnen Werbeflächen zu vermieten und Text-Reviews zu schreiben und dafür Rechnungen auszustellen. Der Vorteil daran ist, das die Kunden Rechnungen haben wollen, um die Beträge dann absetzen zu können. Desweiteren hat man selber auch einen Beweis, das man das Geld wirklich bekommen hat.

Wo melde ich das Gewerbe an und wie teuer ist die Anmeldung?

Ein Gewerbe meldet man bei der örtlichen Gewerbemeldestelle an. In manchen Gemeinden kann man dies aber auch beim Ordnungsamt tun – habe ich zumindest gehört. Meistens ist die Gewerbemeldestelle im Rathaus eurer Stadt. Für eine Gewerbeanmeldung benötigt ihr einen gültigen Personalausweis und eine entsprechende Anmeldegebühr. Die Anmeldegebühr für ein Gewerbe liegt zwischen 20€ und 30€. Diese wird vor Ort bezahlt.

Beim Amt selber müsst ihr dann Angeben wie und womit ihr euer Geld verdienen werdet und ob es sich um einen Nebenerwerb handelt. Da ihr nicht direkt von euren Blog-Einnahmen leben könnt, müsst ihr Angeben das es sich um eine Selbständige Tätigkeit im Nebenerwerb handelt. Erwähnt bitte auch, das ihr nur ein Kleinunternehmen gründen wollt.

Die Angabe wie ihr euer Geld verdient, sollte detailliert geschehen. Erklärt der Dame oder dem Herren auf dem Amt genau, was ihr machen werdet. Das ihr also eine Webseite betreibt, auf die bezahlte Werbung eingebunden wird. Die Dame auf dem Gewerbemeldeamt hier in Wuppertal hat dann in meinen Gewerbeschein geschrieben, das die Einnahmen durch Internetdienstleistungen eingenommen werden. Ob das bei euch genau so geschieht, kann ich nicht sagen.

Entweder gibt euch der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin vom Amt direkt einen Fragebogen für die Steuerliche Erfassung mit, oder ihr bekommt diesen per Post zugesandt. Diesen füllt ihr dann aus und schickt ihn zum örtlichen Finanzamt. Ich habe ihn direkt abgegeben. Ein paar Wochen später erhaltet ihr einen Brief vom Finanzamt, in dem eure Steuernummer angegeben ist. Ab nun seit ihr ein Kleinunternehmer.

Was darf ich als Kleinunternehmer verdienen?

Da ihr Kleinunternehmer seit, darf euer Umsatz im laufenden Kalenderjahr die Grenze von 17.500€ nicht überschreiten. Dafür braucht ihr aber auch keine Umsatzsteuer abführen und habt weniger Aufwand bei der Steuererklärung.

Als Kleinunternehmer braucht man keine richtige Steuererklärung abgeben, sondern hier reicht eine Einnahme-Überschuss-Rechnung. Diese zählt in einer Tabelle einfach nur alle Einnahmen und Abgaben auf. Zum Schluss sollte natürlich noch angegeben werden, wie viel Geld man denn nun insgesamt Eingenommen, oder im schlimmsten Fall, Ausgegeben wurde. Dazu heftet ihr noch alle Rechnungen – die ihr ausgestellt habt, sowie die ihr bekommen habt – dazu und fertig ist eure Einnahme-Überschuss-Rechnung.

Weitere Fragen?

Habt ihr weitere Fragen bezüglich der Gewerbeanmeldung als Blogger? Ihr könnt diese gerne in die Kommentare posten, die ich dann nach besten Gewissen versuche zu beantworten.

Ein kleiner, aber wichtiger Hinweis.

Ich selber bin zwar Kleinunternehmer, kann aber nicht für die 100%ige Richtigkeit meiner Aussagen treffen. Der Artikel basiert auf meinem eigenen Wissen. Falls ihr rechtsverbindliche Antworten auf eure Fragen haben möchtet, bitte ich euch, einen Steuerberater aufzusuchen. Dieser ist dafür Ausgewiesen und hat wesentlich mehr Erfahrung als ich. Auch wird dieser euch alle eure Fragen beantworten können. Meine im Artikel getroffene Aussagen spiegeln nur meine eigene Erfahrung und mein Wissen wieder, sind aber in keinem Falle rechtsverbindlich.

Bildquelle: aboutpixel.de / Steuersünder © Daniel Werner

18 Kommentare

  1. Rudimentäre kleine Übersicht.. Aber Vorsicht:
    Hier Fragen zu beantworten ist ein schwieriges Unterfangen.
    Denn bei den Antworten kommst Du schnell in eine sogenannte „steuerberatende Tätigkeit“ hinein. Und dies ist dir in Deutschland verboten, da Du meiner Kenntnis nach kein Steuerberater bist, oder? ;-)

  2. Generell gilt: Wer Banner oder Adsense in seinen Blog einbaut, sollte sich auch einen Gewerbeschein besorgen. Der ist in 10 Minuten ausgestellt und tut überhaupt nicht weh ;-)

  3. Hi Christian,
    danke Dir für diesen sehr ausführlichen und interessanten Artikel. Hast Du ähnliche Informationen zur Schweiz. Bisher mache ich auf meinen beiden Blogs keine Werbung und Geld verdienen möchte ich damit vorerst auch noch nicht. Aber was nicht ist kann ja noch werden. Da muss ich mich wohl auch mit dem Thema beschäftigen. Nur weiss ich nicht wie es hier in der Schweiz dazu aussieht. Vielleicht weisst Du ja mehr.
    LG Nathanael

  4. @Uwe: Ja, das ich kein Steuerberater bin und keine Beratung geben darf, ist mir klar. Es handelt sich hier lediglich um eine Information, das man einen Gewerbeschein benötigt, wo man diesen beantragen kann und was er kostet.
    Am Ende des Beitrags ist ja genau aus diesem Grunde auch ein extra Hinweis angeheftet ;-)

    @Nathanael: Infos für die Schweiz habe ich leider nicht. Da kann dir nur dein Steuerberater helfen.

  5. Ok zuerst einmal danke für den Artikel! Du hast es geschafft, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, weil es mir so rüberkommt, als hättest du es aus reiner Höflichkeit geschrieben obwohl du eigentlich nicht wolltest ;) Aber naja, nun ist er ja geschrieben. Ich werde mich auf jeden Fall bei Gelegenheit revanchieren und habe Dir auch gleich einmal einen Link in meiner Blogroll verpasst! :)

    Weiß zufällig noch jemand, ob man für jede Seite/jeden Blog, die man besitzt, ein eigenes Gewerbe anmelden muss oder geht das auch mit nur einem Gewerbeschein? ^^ (So hätte ich es jetzt rausinterpretiert)

  6. @muehsi: Brauchst kein schlechtes Gewissen haben. Fragen beantworte ich gerne, auch per Blogeintrag ;-) Der Gewerbeschein gilt dann für jede Webseite bzw. Blog, der dir gehört. Du brauchst nicht für jede Webseite einen neuen.

  7. Ähm mal ne blöde Frage: Ist das Amt der Anmeldung egal? Weil ich arbeite ja zur Zeit in Frankfurt und könnte dort easy per Brief die Anmeldung durchführen. Ich wohn aber etwas außerhalb, was nicht mehr zu Frankfurt gehört. Zu welchem Amt muss ich jetzt rennen?

  8. @Global2310: Meines Wissens nach dürfte das Amt egal sein. Wie gesagt, bin kein Steuerberater und kann keine rechtsverbindlichen Aussagen treffen. Ruf doch einfach mal auf dem Amt in Frankfurt an und frag nach.

  9. Also rein intuitiv würde ich sagen das Amt, wo dein jetziger Wohnsitz ist. Da du auch an deine Gemeinde/Stadt steuern zahlen müsstest und nicht an Frankfurt, wo du ja nicht mehr wohnst. (Aber Steuern fallen ja eh weg)

  10. @muehsi: Steuern fallen Weg? Na, da wäre ich dann aber Glücklich. Du musst selbstverständlich Einkommenssteuer an das Amt abführen. Es seih denn du hast im Jahr weniger als 8004€ (Ich glaube so hoch war der Freibetrag im Jahre 2010) verdient. Dabei ist es egal woher das Geld stammt: Selbständige Tätigkeit, Angestellte Tätigkeit, etc.. Das wird dann alles Summiert.

    Auch hier gilt: Eine genaue Beratung darf nur der Steuerberater oder eine andere Ausgewiesene Person geben.

  11. Ja, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich bin davon ausgegangen, dass man das einfach als Schüler nebenher macht (so wie ich), was aber wohl auf die wenigstens zutrifft!

  12. Wie Jonas schon sagte: Wer Werbung auf seinem Blog hat muss auch ein Gewerbe anmelden. Unabhängig davon wieviel ihr tatsächlich einnehmt, kann Euch das Finanzamt durch solch ein Handeln eine Gewinnabsicht unterstellen.Ansonsten bräuchten große Netzwerke, die offiziell Verluste einfahren, auch kein Gewerbe anmelden ;)

  13. @Christian Ich muss dich leider in einigen Dingen korrigieren. Den Kleinunternehmerstatus beantragst du nicht beim Gewerbeamt, sondern beim Finanzamt. Nach der Gewerbeanmeldung erhältst du vom Finanzamt einen Fragebogen, dort muss du dann angeben, ob du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen willst oder nicht. In Anspruch nehmen darfst du die Kleinunternehmerregelung, wenn du im Gründungsjahr einen Umsatz von weniger als 17.500 Euro erwartest und im Folgejahr einen Umsatz von weniger als 50.000 Euro. Es gibt einige Seiten dazu, die das Thema gut darstellen. Im Rahmen meiner Serie „Webmaster als Gewerbe“ bin ich übrigens auch darauf eingegangen ;-)

    @Carsten Die Frage ist nicht, ob tatsächlich Gewinn erzielt wird oder nicht, sondern ob eine Gewinnerzielungsabsicht besteht. Bei großen Netzwerken dürfte das auf alle Fälle gegeben sein :)

  14. Nun, die Dame beim Gewerbeamt fragte mich, ob es sich um ein Kleinunternehmerstatus handelt. Daher habe ich angenommen, das man das dort angeben muss.

  15. Du hast noch ein paar kleine Fehler drin: Zumindest in Norddeutschland will das Gewerbeamt bei jeglichen Einnahmen einen Gewerbeschein. Egal ob man damit nur seine Kosten deckt. Generell gilt: lieber einen Gewerbeschein und damit auf Nummer sicher gehen! Wichtig auch, wenn man einen kostenfreien Blog hat, in dem Werbung eingeblendet wird!

    Der Gewerbeschein hat jedoch nichts mit dem Finanzamt zu tun. Da will nur die Stadt die Hände aufhalten und ein bisschen was verdienen. Der Gewerbeschein ist dem Finanzamt völlig wurscht. Hast Du aber keinen, ist es eine Ordnungswidrigkeit (keine Steuerhinterziehung!).
    Steuerhinterziehung wäre, wenn man Einnahmen hat, diese aber dem Finanzamt verschweigt. Auch wenn es vielleicht nur der Kostendeckung dient. Aber selbst dann müssen Einnahmen und Ausgaben gegengerechnet werden. Den rest erledigt das Finanzamt.
    Hier reicht es übrigens nicht, nur eine formlose Aufstellung, aber keine Steuererklärung zu machen. Zumindest nicht ganz. Die Aufstellung ist schon richtig, aber es gibt eine Anlage bzw. einen Bogen für selbständige, der dafür ausgefüllt werden muss.

    Und wem das ganze mit der Steuernummer zu langsam geht, der geht einfach direkt zum Finanzamt und wartet nicht auf den Brief von denen. Den Bogen kann man da direkt mit einem Finanzbeamten ausfüllen und bekommt so schon ein paar Tage später eine Steuernummer. …

    lg, sandra – die vor 2 Monaten einen Gewerbeschein geholt hat ;)

  16. Hallo,
    danke für die übersichtliche Zusammenfassung zu dem Thema. Hat mir sehr geholfe. Da die Einnahmen langsam etwas höher ausfallen muss ich mir etwas überlegen.

    Bei uns kostet die Anmeldung zum Glück nur 20 Euro.

    Gruß
    Flo

1 Trackback / Pingback

  1. Eine Woche Netz-Universum – Wie lief es? » Allgemein » Statistik, Netz, Besucherzahlen

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*