Können aus Blogbekanntschaften Freunde werden?

Als Blogger bleibt man nie allein, denn es gibt immer irgendjemand, mit dem man Ideen teilt und neue Pläne bespricht. Meistens sind das andere Blogger, mit denen man hier und dort vielleicht schon zusammengearbeitet hat, Gastartikel gegenseitig veröffentlicht hat oder einfach nur mal Interviewt hat. Ich selber habe in meiner Skype-Kontaktliste einige andere Blogger, mit denen ich regelmäßig im Kontakt stehe. Am meisten aber bin ich mit Jonas von Bloggonaut.net am schreiben und herumalbern. Vor einigen Monaten hat mich der Jonas als Co-Blogger aufgenommen um auf seinem Bloggonauten-Blog Artikel zu veröffentlichen. Grund ist der, das er wegen seiner anderen Projekte keine Zeit mehr gefunden hat. Jetzt ist es aber so, das ich auch am bekannten Zeitmangel leide, denn auch ich habe einige neue Projekte seitdem gestartet, welche natürlich auch gepflegt werden müssen. Also gab es seit längerem keinen Blogbeitrag mehr von mir auf dem Bloggonaut.

Das findet der Jonas aber weniger schlimm, denn er weiß, das ich selber Projekte habe, die auch Pflege benötigen und ist der Meinung das ich mir lieber die Zeit für gute Artikel nehmen sollte (sofern ich sie finde), als Artikel zu schreiben die totaler Humbug sind.

Das ist aber nicht das Thema dieses Blogbeitrages, denn Thema ist eigentlich, ob richtige Freundschaften zwischen Bloggern entstehen können. Dazu nehme ich gerne das Beispiel zwischen Jonas und mir. Zwischen Jonas und mir gibt es nämlich nicht nur Gespräche die über unsere Projekte handeln, sondern auch Dialoge, die über alltägliches und auch privates handeln. Sehr privates gibt dabei niemand von uns Preis, denn die Hürde zur Freundschaft ist sicherlich noch weit entfernt, schließlich kennt man sich nur über das Internet und am Telefon.

Viel Kontakt bedeutet nicht Freundschaft

Wenn keinem was dazwischen kommt, schreiben Jonas und ich täglich via Skype und öfters kommt es auch mal vor das der eine den anderen anruft. Das bedeutet aber noch lange nicht, das eine Freundschaft entstanden ist, sondern einfach nur, das der Kontakt sehr stark ist. Leider trennt uns eine große Entfernung, so das man nicht einfach mal sagen könnte „Ich fahre mal eben hin und besuche ihn“. Von einem treffen wurde hier und dort schon geredet und irgendwann bekommen wir das auch auf die Kette.

Gegenseitige Hilfe

Da Jonas und ich viel Kontakt haben, kenne ich seine Projekte und Baustellen, er aber auch meine. Das ist ein wichtiger Punkt in einer guten Bekanntschaft, denn so kann man sich gegenseitig unterstützen. Finde ich zum Beispiel ein Artikel aus einem seiner Themenbereiche, schaue ich, das ich irgendwie einen Link in diesen Artikel bekomme, der zu Jonas seinem Projekt geht. Genau so ist es aber auch anders herum, denn Jonas hat mir hier und da auch schon den ein oder anderen Link für einen meiner Projekte besorgt, was sicherlich ein Vorteil in den SERPs war.

Und genau so sollte auch eine Blogbekanntschaft ablaufen, denn Blogger sind untereinander keine Konkurrenz, sondern eher Kollegen, die sich gegenseitig helfen sollten. Klar möchte man irgendwo auch besser ranken wie der andere, aber deswegen sind andere Blogger doch schon lange keine Konkurrenz. Nur weil Jonas mit seinem Bloggonaut besser rankt als ich mit zweidoteins, schiebe ich ihm doch keine 1.000 Russenlinks auf seine Seite. Nein, im Gegenteil, ich unterstütze ihn noch, denn irgendwann wird auch er mich unterstützen.

Konkurrenzdenken führt zum Linkgeiz

Immer wieder taucht dieses eine Wort auf: Linkgeiz. Die Blogger verlinken nicht mehr. Doch warum ist das so? Ein Link ist ein Verweis auf eine andere Webseite, verstärkt die verlinkte Webseite noch und kann dazu führen, das meine Besucher auf den Link klicken und Weg sind. Fakt ist aber, das die Besucher nicht für immer Weg sind und aufgrund eines guten Links, der eine wirkliche Empfehlung war und dem Besucher einen Mehrwert gebracht hat, gerne wiederkommen. Ich stärke mit einem Link zwar auch die verlinkte Seite, aber das kann mir doch egal sein, denn schließlich verlinkt die Seite mich irgendwann zurück, wenn ich einen passenden Artikel geschrieben habe, der zu einem neuen Artikel der anderen Seite passt.

Der Linkgeiz entsteht meiner Meinung nach ganz klar durch dieses komplette Konkurrenzdenken. Ich möchte niemanden was gutes tun und einen Link schenken, denn sonst könnte es ja sein, das der verlinkte Blog oder Beitrag besser rankt. Ganz ehrlich: Wen interessierts?

Stellt euch vor, keiner würde auf euch verlinken, weil das Konkurrenzdenken so groß und weit verbreitet ist, das niemand mehr verlinkt? Dann würdet ihr ohne guten Linkaufbau auch nicht mehr in den SERPs ranken.

Freundschaft vielleicht, Bekanntschaft auf jeden Fall

Aus einer Blogbekanntschaft können definitiv Freundschaften entstehen, solange man regelmäßigen Kontakt hat und sich auch regelmäßig Offline trifft. Ohne Funktioniert es halt eben nicht. Denn ich sehe Freundschaften so, das ich zu meinen Freunden gehen kann, wenn ich ein Problem habe, aber auch, wenn ich mit dieser Person Offline schon viel erlebt habe. Online-Freundschaften gibt es für mich nicht. Online kann sich jeder als jemand anderes ausgeben oder zumindest so tun, als wäre er ein ganz anderer. Stellt euch einfach folgende Situation vor: Ich gebe mich Online komplett vernünftig und nett, bin Offline aber voll der Asoziale Prolet mit einem Hang zur Aggressivität. Wolltet ihr dann noch meine Freunde sein, nur weil mich Online komplett verstelle? Nein, oder?

Kommuniziert miteinander

Natürlich kommuniziere ich nicht nur mit Jonas, sondern mit einigen anderen Bloggern auch. Auch dort kommt es zum Austausch von Informationen außerhalb der Blogosphäre. Und trotzdem bindet uns keine Freundschaft. Im Grunde zeigt man nur, das man dem gegenüber auch vertraut. Und durch ein solches Vertrauen kann jeder seine Vorteile ziehen, denn mit solchen Personen ist es dann einfacher Links zu tauschen. Ich weiß zum Beispiel, das Jonas nie einen Link von mir Löschen würde, den wir getauscht haben. Bei ihm brauche ich nichts zu kontrollieren oder zu tracken. Es ist halt einfach so, das wir beide uns schon so viel Vertrauen geschenkt haben, das er niemals auf die Idee kommen würde, den Link heimlich still und leise zu löschen. Außer natürlich man verkracht sich ordentlich. Dann würde ich die getauschten Links schon kontrollieren.

Wie ist das bei euch? Habt ihr auch Personen aus der Blogosphäre, denen ihr so Vertraut und mit denen ihr oft Kontakt via Messenger und Telefon habt? Was sind eure Erfahrungen bezüglich solchen Blogbekanntschaften?

11 Kommentare

  1. Ja, der Linkgeiz. Gerade diese Woche des öfteren gehört und auch darüber geschrieben.
    Es muss halt immer einer in Vorleistung gehen und genau darum dreht sich ja Vertrauen. Einer macht eben ein wenig mehr als erwartet wird und ein anderer folgt.

    Aber zum eigentlichen Thema: Blogbekanntschaften habe ich vielleicht die ein oder andere, Freundschaften tatsächlich weniger. Es gibt Blogger mit denen man zu bestimmten Themen etwas ausarbeiten kann, aber eben nicht für alle Themen des Blogs. Jedenfalls ist es so bei mir.

    Kontakt pflege ich mehr über das Blog als über Skype oder Chat.

  2. Hallo Christian,

    meinen Blog gibt es erst seit März 2011, deswegen habe ich bisher (noch) keine festen Bekanntschaften, aber es gibt eine handvoll Leute bei denen ich mich immer über regelmäßige Kommentare freue und auch bei ihnen im Blog lese.

    Vielleicht ergibt sich da mal mehr, wie mit dir und Jonas. Eine Bloggerin wohnt sogar ganz in der Nähe, da könnte ich mir ein Treffen schon vorstellen, aber ich falle mal lieber nicht mit der Tür ins Haus, bevor wir nicht regelmäßigen Kontakt aufgebaut haben. Man lernt auf jeden Fall sehr viele sympathische Leute durchs Bloggen kennen und Treffen evt. sogar Freundschaften kann ich mir auf lange Sicht durchaus vorstellen. Freundschaften müssen eben gepflegt werden, aber ob sie nun über Blogs oder im richtigen Leben zustande kommen, ist mir dabei recht egal :)

    Liebe Grüße,
    Sarah

  3. Ich mache es kurz: Ja es können Freundschaften entstehen. Wir waren im Januar gemeinsam im Urlaub ^^

  4. Ich bin zwar erst seit kurzem in der „Szene“ unterwegs, aber mir fällt immer öfter auf, dass es kaum noch Blogrolls gibt. Dabei bin ich einer Seite mit einem guten Blogroll sehr zum Dank verpflichtet und schaue gerne mal wieder vorbei. Vorausgesetzt sie wird richtig aktualisiert.
    Mir war dieses Wort des „Linkgeizes“ bisher unbekannt, aber in der Praxis kann man das recht oft behoben.

  5. Mein Blog ist leider noch nicht soo bekannt, sodass ich das im Allgemeinen für mich beantworten könnte ;)
    Bisher habe ich schon nette Bekanntschaften geschlossen, richtige Freundschaften sind aber etwas ganz anderes, für meine Definition zumindest. Wenn ich meinen Freund nie sehe bzw. nur mit ihm per Inet kommuniziere, ist es eher eine Internetbekanntschaft als Freundschaft…

  6. Ich weiß nicht ob ich das immer gleich Freundschaften nennen kann, ich würde es eher bessere Bekannschaft nennen. Zwar kann ich nicht oft mit anderen Bloggern telefonieren oder schreiben, da fehlt mir manchmal leider die Zeit, aber dafür spricht man auch gerne mal über wichtige und vertrauenswürdige Themen.

  7. Hallo Christian,
    sehr schöner Beitrag. Hab letzten auch über sowas geschrieben. Ob sich dort eine Freundschaft entwickelt, weiß man eigentlich nie. Ich würde es aber vertrauensvolle Bekanntschaft nennen. Schließlich gibt man auch einmal Ideen preis mit der Gefahr, dass diese einfach übernommen werden. Wenn das passiert, kann eine Bekanntschaft auch schnell mal ins Gegenteil schwenken. Ich kenne bisher nur vertrauensvolle Blogger und da man hier und da mal einige Projekte plant, kommt es zwangsläufig zum Gespräch über den eigenen Blog.
    Ich hatte diese Erfahrung letztens mit Hendrik (NetClosing) und muss sagen, dass mich solche Gespräche viel weiter bringen, als nur das Lesen anderer Blogs.
    Naja und bei Twitter lesen wir uns ja häufiger.
    Zum LinkGeiz kann ich nur sagen, S**** drauf. Wenn mir eine Seite gefällt, dann verlinke ich diese auch. Und das auch per DoFollow. Was soll der ganz Geiz-Mist? Das Netz lebt von der Verlinkung und nur weil das Konkurrenzdenken immer größer wird, fangen die Leute an mit Links zu geizen?
    Schwachsinn. Deshalb hab ich ja auch den Blog-fokus ausgerufen. Ein Blog-Netzwerk, was untereinander wieder viel mehr verlinkt und zwar nicht wegen der Links, sondern den Empfehlungen.

    Viele Grüße
    Stefan

  8. Hehe, danke für den Backlink ;-) Ne, stimmt schon, für eine richtige Freundschaft muss man sich auch mal im Reallife treffen, was wir sicher bald mal nachholen werden. Was einen Blogger ausmacht ist ja gerade die Hilfsbereitschaft, nicht nur gegenüber Freunden sondern auch anderen Bloggerkollegen :-)

  9. Ach das kommt doch ganz auf die Definition an – ich denke, wenn man mit seinem Gegenüber viel Zeit verbringt, sich über Gott und die Welt austauscht und auf einer Wellenlänge schwimmt (besonders auch in Sachen Humor), dann ist man doch praktisch schon befreundet. Ob ich denjenigen nun gegenüber sitze oder 2000km entfernt – es geht doch um die platonische Verbindung.

  10. Bekanntschaften sowie auch Freundschaften entstehen und wachsen mit der Zeit. Ich habe schon so einige Blogger via Telefon und Internet kennen gelernt und möchte diese Kontakte nicht mehr missen ;-)

  11. eine freundschaft kann nicht alleine aus einer bekannschaft aus dem internet entstehen. dazu gehört einfach mehr. man muss die person einfach schon mal im wahren leben gesehen habe, um demjenigen vertrauen zu können. alleine durch einen blog entsteht doch keine echte freunschaft.

    lg

2 Trackbacks / Pingbacks

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