Affiliate Marketing: Betrüger gibt es auch auf Merchant Seite

Wow, endlich mal wieder Blogbeitrag von mir, der kein Precap oder Recap ist. Diesmal geht es um Betrug im Affiliate Marketing, welcher nicht von Affiliate-Seite kommt, sondern von der gegenüberliegenden Seite, den Merchants. Ich arbeite mit vielen Partnern zusammen, versuche immer neue lukrative Programme zu finden und Geld zu verdienen. Jetzt wurde ich übers Ohr gehauen – und ein Partnerprogramm-Netzwerk gleich mit. Versteht bitte, dass ich keine Namen nenne, weder vom Netzwerk, noch vom Merchant.

Dieser Beitrag gilt nicht um irgendjemanden abzuschrecken, viel mehr möchte ich mir meinen Frust von der Seele schreiben. Weil mich das Thema echt ankotzt. Weil ich mich darüber echt aufrege. Und weil ich mal gerne wissen würde, wie ihr bei sowas reagiert, ob ihr sowas schonmal erlebt habt (mit Sicherheit) und was ihr mir ratet.

Merchant kauf mir den Nutzer ab

Betrüger im Affiliate MarketingMerchants sind die, die mir Geld dafür geben, dass ich Klicks, Leads oder Sales auf ihren Webseiten durch meinen Traffic generiere. Ich schicke Traffic zu ihnen, die Nutzer führen eine Aktion aus (registrieren sich, kaufen etwas, melden sich zum Newsletter an, oder, oder, oder). Ganz einfach. Aber was ist, wenn man kein Geld in den Taschen hat und trotzdem Traffic einkaufen will? Dann bietet man einen Pay per Lead an. Eigentlich ein ziemlich dummer Weg, denn hier zahle ich Beispielsweise für die einfache Registrierung des Nutzers. Heißt: Ich habe in dem Moment, in dem ich dem Affiliate Geld schulde, noch keinen Cent am Nutzer verdient. Aber: Es bleibt mir ja immer noch die Möglichkeit des stornieren…

Ich besitze eine Webseite, mehrere Tausend Besucher täglich. Die alle eine Intention haben: Ein Datingportal zu finden. Für was auch immer: Einfache Dates haben, eine schnelle Nummer schieben oder die große Liebe finden. Der Grund ist letztlich ja egal – wichtig ist nur, dass die Nutzer genau daran Interesse haben. Auf meiner Webseite empfehle ich den Nutzern mehrere Datingportale, unter anderem auch „Datingportal A“. Das sieht schick aus, es sind echte Menschen registriert, wächst ordentlich und bietet eine kostenlose Registrierung und Basis-Nutzung an. Was der Nutzer nicht weiß: Wenn er auf meinen Link klickt und sich anmeldet, bekomme ich Geld von Datingportal A. Der Nutzer klickt, meldet sich an und versucht sein Glück.

Nicht immer sind die Affiliates die bösenPay per Lead ist für mich eine Art Wette: Der Partnerprogrammbetreiber kauft mir den Nutzer ab und wettet, dass der Nutzer mindestens 3 Euro da lässt. Dann ist es ein 0 Geschäft. Wenn ein Nutzer nichts kauft und ein anderer aber 7 Euro da lässt, hat der Betreiber schon 1 Euro gewinn gemacht. So einfach ist das. Bei Pay per Lead bin ich so von meinem System überzeugt, dass es gut konvertiert und ich ein Plusgeschäft mache, dass ich eine entsprechende Summe dem Affiliate anbieten kann.

Gleichzeitig sehe ich im Backend des Partnerprogramms, dass ich einen Lead generiert habe. 3 Euro werden mir für diesen Nutzer vorgemerkt, müssen aber noch bestätigt werden. Dieses Spiel lief genau 1 Monat genau so. Dass die Partnerprogramme sich ab und zu mal ein wenig mehr Zeit lassen um Leads zu bestätigen, soll mir recht sein. Dann logge ich mich nach diesen einem Monat ein, sehe dass ich rund 500 Leads generiert habe – nur über diese eine Seite, nur für dieses eine Datingportal. Heißt: 500 x 3 = 1500 Euro. Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass mir 99% meiner Leads storniert worden sind, nur die aus der aktuellen Woche sind noch nicht storniert oder freigegeben.

„Keine aktiven User“

Das sieht mir sehr nach Betrug aus, denn: Wieso sperrt ein Partnerprogramm 99% aller Leads? Wieso wird keine Begründung hinterlegt? Wieso hat der Merchant nicht mit mir gesprochen was los ist, meine Mail Adresse und meinen Skypenamen sind doch hinterlegt. Ich frage nach, finde keine Kontaktdaten vom Partnerprogramm, schreibe also direkt das Netzwerk an und bekomme auch prompt eine Nachricht:

Der Advertiser darf Abschlüsse nur dann stornieren, wenn diese gegen die Vergütungskriterien verstoßen. Hierzu steht bei Datingportal A folgendes:

„Vollständiges Ausfüllen der Profilinformationen. Das alleinige Registrieren ohne das Ausfüllen der Profilinformationen ist kein erfolgreicher Lead. Kein incentivierter Traffic, kein Cashback. Komplett inaktive Anmeldungen werden nicht vergütet.“

Der Advertiser von Datingportal A behauptet nun, dass sämtliche Abschlüsse inaktiv sind, die Profile nicht ausgefüllt seien und nach der Registrierung kein weiterer Login erfolgte.

Soso.

Ich kenne meinen Traffic und weiß aus vielen anderen Quellen, dass er gut konvertiert. Bei vielen Partnern arbeite ich mit Rev-Share und weiß daher auch, dass einige Sales eingehen. Ich weiß aber auch, dass die Nutzer ihre Mail-Adresse bestätigen, dass die Nutzer sich einloggen. Wieso sonst sollte man sich in einem Datingportal registrieren. Ich kann verstehen dass ein gewisser Teil des Traffics nicht konvertiert, aber praktisch der gesamte Traffic soll sich nicht einloggen, die Mail Adresse nicht bestätigen oder die Profilinformationen nicht ausfüllen? Ich glaube wohlkaum.

Traffic einkaufen für 0 Euro

Ich sehe hier einen knallharten Betrug, denn: Ich als Merchant könnte so immer Traffic und Nutzer kaufen und zahle letztlich nur 0 Euro, da ich alles storniere. Gleichzeitig begründe ich das mit inaktiven Anmeldungen oder nicht ausgefüllten Profilinformationen. Beweisen muss ich ja erst einmal gar nichts. Und selbst wenn: Wie will man mir meinen Betrug nachweisen? Ich sitze auf der Datenbank und kann alles so abändern wie ich möchte. Klingt logisch, oder?

Betrug oder nicht Betrug, dass ist hier die FrageOb die Profilinformationen ausgefüllt sind oder nicht, spielt ja eigentlich keine Rolle, denn ich als Betreiber muss den Nutzer, den ich ja dem Affiliate „abgekauft“ habe, dazu bringen, mein Portal zu nutzen. Dazu können verschiedene Dinge nützlich sein, wie zum Beispiel ein Newsletter oder ähnliches. Wenn ich an diesem Betrug nicht interessiert wäre, würde ich die Leads freischalten oder auf Pay per Sale umsteigen. Das tue ich aber bewusst nicht, da ich ein knallharter Betrüger bin. Pay per Lead klingt für die meisten lukrativ, hier verdient man schnelles und einfaches Geld. Dazu noch einen attraktiven Payout und schon läuft mein Programm wie von alleine. Und letztlich schalte ich sowieso keine Leads frei, zahle keinen Cent und habe wahrscheinlich nur die Aufnahmegebühr ins Netzwerk und eine kleine Summe für ein paar Leads bezahlt. Fertig ist mein System, bei dem ich mir Traffic für 0 Euro kaufe.

Klar: Der Merchant macht die Regeln und sagt: „Profilinformationen müssen ausgefüllt sein. Keine inaktiven Nutzer. Und. Und. Und“. Aber: Ist das nicht ein wenig gemein, schließlich könnte ich ja an dieser Stelle auch Pay per Sale anbieten und umgehe somit diese „inaktiven User, die mir nichts bringen“? Was bringt dann Pay per Lead, wenn der Nutzer dennoch Aktionen ausführen muss auf der Webseite?

Wie geht ihr damit um?

Ich bin natürlich direkt hergegangen und schicke dem Merchant keinen Traffic mehr. Dann wandle ich meinen Traffic lieber bei einem anderen Partner in bare Münze um. Ich frage mich allerdings, ob Merchants damit durchkommen. Und ich frage mich, wie ihr damit umgeht? Ich mein, es ist ja kein Zufall, dass sich der Merchant einen Monat lang Zeit lässt, um Leads freizuschalten oder zu stornieren, oder? Je länger er sich Zeit lässt, desto länger fliegt sein Betrug auf nicht auf. Gehe ich hier ein wenig zu hart ins Gericht? Wer hat schon einmal eine solche Situation erlebt und was habt ihr gemacht?

Über Erfahrungen in den Kommentaren würde ich mich freuen, da ich hier niemanden zu schnell verurteilen möchte, für mich das ganze aber schon wie ein Betrug aussieht.

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8 Kommentare

  1. Martin
    1. November 2015 at 11:43

    Besteht die Partnerschaft noch? (werden Klicks noch getrackt?) Dann lass doch einfach einen Freund/Freundin über deinen Partnerlink dort anmelden und das Profil vollständig ausfüllen. (mach es nicht selbst). Wenn dieser Lead storniert wird, hast du den Beweis.

  2. Sascha
    2. November 2015 at 02:39

    Kommt mir sehr bekannt vor, dass die Provisionsbeschreibung von der Realität abweicht:
    http://www.affiliteur.com/2013/11/09/advertiser-kann-nicht-jeden-lead-vergueten-vitrado.html

    Auch unschön sind sogenannte Leads, die erst bei Abschluß einer kostenpflichtigen Mitgliedschaft gültig sind.

  3. Christian
    2. November 2015 at 09:44

    Die Partnerschaft besteht nicht mehr, Martin. Das Netzwerk hat auch erstmal den Merchant gesperrt damit nicht noch mehr Schaden besteht.

    @Sascha: Ja, so ähnlich, nur dass mir nun alle meine Leads storniert wurden. Und das ganze Problem ist bekannt, hier betreibt einer Betrug im großen Stile. Der Betreiber betreibt unter verschiedenen Namen verschiedene Datingportale – und macht den ganzen Mist mit allen seinen Partnern.

  4. Affiliate Auslese Oktober 2015 | Projecter GmbH
    4. November 2015 at 09:25

    […] Aber nicht nur Affiliates betrügen die Merchants. Auch Merchants haben die Möglichkeit, Affiliates auf unlauteren Wegen um deren Provision zu bringen. Christian Süllhöfer beschreibt einen aktuellen Fall von vermeintlichem Merchant-Betrug in seinem Blog, unter Affiliate Marketing: Betrüger gibt es auch auf Merchant Seite. […]

  5. Michael
    5. November 2015 at 09:47

    Ich habe mal das PP eines Datingportals inhouse betreut und bin froh, dass du nicht von dem Portal sprichst ;)
    Generell ist so eine Masche nicht mal besonders clever. Damit k(l)aufe ich mir Traffic einmalig kostenlos ein und keiner will mehr mit mir zusammenarbeiten. Nachhaltigkeit sieht anders aus.
    Dass aber Leads erst etwas später freigeschaltet werden, kann durchaus sein. Meistens bieten freemium-Portale auch PPS Vergütungen an und diese werden erst nach der Stornofrist oder Lastschriftenfrist freigegeben. Da bietet es sich an, die Leads und Sales aus einem Zeitraum gleichzeitig zu bearbeiten.

  6. Antje
    17. November 2015 at 03:24

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein gründlicher Blick auf die AGB und den Vermittlungsvertrag vor dem einen oder anderen „Bösen Erwachen“ schützen können. Beim flüchtigen Durchlesen der Verträge sind mir in zwei Fällen eindeutige „FuckYou“-Klauseln aufgefallen, die Advertiser/Merchant Möglichkeiten zur Reklamation/Lead Stornierung bieten, wo tatsächlich keine rational gerechtfertigt wäre.

  7. Edelstahlreiniger
    19. November 2015 at 10:39

    Also ich kann gut verstehen dass du dem Merchant keinen Traffic mehr schickst. Würde ich auch so machen. Eine angemessene Zeit abwarten und wenn sich dann nichts tut den Traffic einstellen.

    Ich denke viel Möglichkeiten wird man nicht haben dagegen anzugehen.

  8. Christian
    19. November 2015 at 13:01

    Hallo Edelstahlreiniger,
    danke für dein Kommentar. Aber ich habe mir mal erlaubt deinen Link ausblenden zu lassen. Wer versucht, einen Namen mit einem Keyword zu tauschen, damit seine Seite auf ein bestimmtes Keyword rankt (sooooo gut funktioniert das übrigens auch nicht mehr) und dazu meine Kommentarfunktion ausnutzen möchte, dem geschieht das recht.

    Gerne aber schalte ich deinen Link wieder frei – sobald du mir deinen Personalausweis geschickt hast, in dem hervorgeht, dass du wirklich „Edelstahlreiniger“ mit Vornamen heißt. :-)

    Grüße